• Klaudia Frechen

Worte

Aktualisiert: 29. Nov 2020



Ich sitze in einer – nicht meiner – Küche und warte darauf, dass die Worte, wie jeden Morgen, aus meinen Fingerspitzen herausfließen.

Aufs Papier, den Bildschirm oder ins Notizbuch.

Aber nichts passiert.

Fühle mich hohl, dumpf, leer.


Dieser Ort hier, er erdrückt, hält fest. Macht leer.

Er ist kein Platz, an dem Wörter oder Gedanken geboren werden sollen oder an dem ihnen Flügel wachsen.

Eine Höhle, terrakotta-braun, die alles festhält und erwartet, dass man bleibt.

Mit seinen Gedanken, Gefühlen, auch mit seinen Worten.

Die Geister der Vergangenheit wollen keine Veränderung und lassen keinen Fluss zu. Niemals. Alles soll beim Alten bleiben. Nichts darf sich ändern. Nichts.


Wortwolken, die sonst so sanft und herrlich durch meinen sommerblauen Gedankenhimmel ziehen, werden durch ein düsteres, dumpfes Novembergraubraun verdrängt.


Alles in diesen Räumen kämpft mit meinen Gedanken und Worten, die so anders sind als die, die hier sonst gedacht werden. Sie sind nicht zu lässig. Ungewollt.

Dieser Ort will sie nicht entlassen und zerrt an ihnen, dehnt sie wie Kaugummi.

Will sie am liebsten gar nicht erst wachsen lassen, weil sie den Duft des Andersseins verströmen. Der Freiheit.

Dabei tut dieser Raum so freundlich, so sanft und versucht seine wahren Ambitionen zu verschleiern.


Aber meine Worte kämpfen sich hinaus. Fast schon schmerzhaft ist ihr Wachstum - hier in dieser stumpfen Umgebung. Nichtsdestotrotz lassen sie sich nicht aufhalten.

Jetzt und sofort wollen sie hinaus auf das strahlende, helle befreiende Weiß des Papieres.

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