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  • Klaudia Frechen

Let your light shine





"Die Wechseljahre sind eine wichtige Phase im Leben einer Frau. Sie sind der Übergang von der jungen, gebärfähigen Frau zur freien, weisen Frau." (Zitat aus : http://wechseljahre-klimakterium.de/)


Diese Zeilen las ich vor etwa sechs oder sieben Jahren irgendwo im Internet.

Wollte man mir damit etwa sagen, dass ich mehr als 50 Jahre lang ein dummes Huhn war, aber jetzt um die Geheimnisse des Lebens wissend, mit weißen Haaren strickend am Ofen sitzen und jedermann Ratschläge erteilen sollte?

Für eine solche Wandlung war und bin ich einfach nicht geschaffen!

Zum einen, weil mir die Lust am Stricken ob der horrenden Wollpreise abhanden gekommen ist, ich offiziell keine weißen Haare habe und Ratschläge im Allgemeinen recht ungern erteile. Ich finde, jeder sollte gefälligst seine Erfahrungen selber machen und über seine eigenen Steine stolpern.


Aufräumen, Entsorgen und anschließendes Putzen war damals angesagt!


Wer kennt das nicht: Da gibt es im Haus oder in der Wohnung einen Platz, auf dem alles landet und strandet, was man nicht sofort braucht: Rechnungen, Werbung, einzelne Socken, Kabel vom PC, leere Batterien, Kulis, Zeckenpinzette, Krümel vom letzten Kuchen oder Kochrezepte.

Immer, wenn sich Besuch ansagt, verpackt man den ganzen Kram in eine Tüte und versteckt alles, abgesehen vom PC-Kabel, im Keller und denkt Jahrzehnte nicht mehr dran.

Bis man irgendwann auf die Idee kommt, den Keller zu entrümpeln.


Ich mistete da und dort aus, hielt Kehraus und wirbelte viel Staub in meiner Vergangenheit auf. In einer Ecke des Kellers fanden sich fein säuberlich in einem Regal aufgereiht Einweckgläser.

In ihnen fanden sich all die ungesagten Worte vergangener Tage.

Da gab es viele Gläser mit Gesprächen, die nur in meinem Kopf stattfanden, weil ich mich nicht traute sie tatsächlich zu führen. Viele ungesagte Wahrheiten. Aber auch manch ein tief berührendes Wort lieber Menschen, die nicht mehr bei mir sind.


In einer Ecke hingen Schnittmuster verschiedener Lebensentwürfe.

Alle unpassend und vergilbt.

Ich entdeckte in einem Koffer - gut verpackt - glitzernde Edelsteine, Geschenke des Lebens, die selbst im Keller buntes Licht verbreiteten und mir ein Lächeln aufs Gesicht zauberten.

Neben all diesen Dingen fand ich zerschlissene und fleckige Masken.

Abbilder eines Menschen, der ich einst war oder sein wollte.


Ich entrümpelte Vieles, hielt lange Rückschau. Verlor mich im Gestern und vergaß darüber fast das Jetzt.


Aber: Jetzt ist das Leben.

Nicht gestern, nicht morgen.

Heute, in diesem Augenblick, findet es statt.


Heute, jetzt, gerade, nun, ... habe ich beschlossen, die Vergangenheit ruhen zu lassen und meinem Leben eine neue Richtung zu verpassen. Ich möchte nach meiner eigenen Pfeife, meinem eigenen Rhythmus, meiner eigenen Musik zu tanzen.

Und ich verspreche - nicht ihnen - sondern mir selbst, dass es keine Volksmusik sein wird. Es darf gerne Heavy Metal oder gar Punk sein. Oder Klassik. Oder Jazz. Oder...


Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich auf Widerstand treffen werde.

All die Menschen, die oft so weltoffen und voller Selbstbewusstsein daher kommen, mögen solche Veränderungen ja überhaupt gar nicht.

Denn sie haben es sich zum Lebenszweck gemacht ihren Mitbürgern zu erklären, wie sie ihr Leben am besten zu leben haben.

Vielleicht, damit sie sich nicht um ihr eigenes kümmern müssen.

Noch besser aber wäre es, wenn jeder genauso wie sie leben würde.

Sie haben es sich in ihren Leben gemütlich eingerichtet und tragen Masken zur Schau, die auch ich einmal trug. Ihre Maske trug ihnen ihre Stellungen im Ortsrat, im Verein oder in der Firma ein. Manche haben gar keine eigenen Gesichter mehr, sondern tragen nur die, die ihnen von ihren Partnern oder jemandem anderen im Laufe der Jahre verpasst wurden. Sie sind mit ihnen verschmolzen.


Ich finde es prima, wenn diese Menschen mit ihren Leben zufrieden sind und es sich auf der sicheren Seite bequem machen.

Ehrlich gesagt, war ich manchmal sogar neidisch auf sie und hätte gerne in ihren Schuhen gesteckt. Diese Leben sahen alle so einfach, so geordnet und hübsch aus.

Doch als ich dann einmal voller Hoffnung auf ähnliches Glück testete, ob mir solche Schuhe passen würden und ich einen Blick hinter die Kulissen warf, musste ich feststellen, dass das nichts für mich ist.

Zum einen war dort hinter der Fassade vieles gar nicht so geordnet, wie es mir erschien und zum anderen liegt mein Glück darin, auch mal auf die Nase zu fallen und den Mut zu finden wieder aufzustehen- auch wenn alle anderen lieber peinlich berührt wegschauen. Natürlich immer darauf hoffend, nicht auch noch selber durch meinen Sturz ins Wanken zu geraten.


„Let your light shine“ ist ab heute meine Devise und wer damit nicht umgehen kann (und da gibt es einige), darf sich gerne andere Gesellschaft suchen.


Alle anderen lade ich herzlich ein, ebenfalls ihr Licht in die Welt hinaus zu tragen und sie zu einem bunteren Ort zu machen.


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