• Klaudia Frechen

Die Stille der Nacht



Mitten in der Nacht werde ich wach von … dem, was da nicht ist: Lärm.

Kein Brummen von irgendwelchen Motoren, Kühlaggregaten oder anderen Maschinen. Kein Autolärm. Keine LKW, die auch in der Nacht Ware anliefern.

Nach einer Woche, die ich in einem Gewerbegebiet verbracht habe, dessen Geschäftigkeit auch die Nacht zum Tag macht und dessen Lärm und ewiges Licht ständig zermürbend an einem zerren - endlich Frieden.

Stille.

Sie weht durch das geöffnete Fenster meines Zimmers zu mir herein.

Die Nacht atmet sie mir ganz freundlich, kühl und sanft entgegen.

Mit geschlossenen Augen liege ich bewegungslos genießend da.

Erst jetzt wird mir bewusst, wie sehr ich sie vermisst habe.

Ich lasse mich von ihr berühren.

Lade sie zu mir ein, heiße sie willkommen.

Bald atme ich in ihrem Rhythmus und werde eins mit ihr.

Die nächtliche Stille hüllt mich sacht und ganz zart ein.

Sie umschmeichelt mich wie der Hauch eines Schleiers.

Langsam – ich hätte fast gesagt, dass sie mich durchflutet – aber das wäre ein zu lautes Wort für das, was da passiert. Langsam füllt sie mich aus und leert meinen Geist.

Ein unendlich friedliches Wohlgefühl breitet sich in mir aus und lässt mich lächeln.

Stille. Leere. Gedankenlosigkeit. Frieden. Sein.


Das wunderschöne Geschenk, dass mir diese Nacht mit seiner Stille gemacht hat, nehme ich mit in den heutigen Tag.

Ich spüre immer wieder hin zu diesem leisen Glück in mir, das mich trägt und begleitet, so dass das Lächeln noch lange auf meinem Gesicht liegt.


Aber ich bin nicht nur glücklich, sondern auch dankbar nicht ewig in einer Umgebung wohnen zu müssen, die das Leben mit ihrem Lärmpegel zu einer dauernden Herausforderung macht.

Ich wohne nicht an der Ausfallstraße einer Stadt oder in der Nähe eines Flughafens oder Bahnhofs, so dass ich die Chance habe Stille zu erfahren, ohne dazu erst einen der in letzter Zeit immer häufiger zu findenden "Raum der Stille" aufsuchen zu müssen.


Zu viel oder ständiger Lärm bereitet mir unbewussten Stress.

Oft bemerke ihn erst, wenn ich meine Ohren am liebsten wie die Augen schließen würde. Deshalb ist es tagsüber in meinem Haus auch still. Weder ein Radio noch ein Fernseher plärrt bei mir ständig herum. Selbst beim Autofahren ist mir das Gedudel des Radios zu viel. Das stundenlange Gequassel eines Möchtegern-Chefs, der eine neben ihm sitzende Kollegin beeindrucken will und dies unbedingt während einer Zugfahrt von München nach Celle tun muss … Nein, das brauche ich auch nicht.


Wie ist das bei Euch? Braucht Ihr die Stille auch? Oder mögt Ihr sie gar nicht?

Über Kommentare freue ich mich.


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