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  • Klaudia Frechen

Laut






Ich habe lange nichts mehr geschrieben.

Es gab so Vieles, das mich ungläubig hinterließ und sprachlos machte, in dessen Geschehen ich meine Worte und Sprache verlor.

 

Aber nun mache ich mir seit geraumer Zeit große Sorgen. Diese Sorgen möchte ich gerne mit Euch teilen und Euch um Eure Mithilfe bitten.

 

Ich mache mir Gedanken um unsere freiheitliche Demokratie, in der man sagen kann, was man will und in der jeder leben kann, wie er will, solange er damit nicht die Rechte anderer verletzt oder gegen die verfassungsmäßige Ordnung verstößt.

Damit stehe ich nicht alleine da.

Ich weiß, dass viele von Euch sich ebenso um dieses liberale Deutschland sorgen.  Auch Thomas Haldenwang, Präsident des Bundesverfassungsschutzes und viele Politiker sehen die Demokratie in Deutschland in Gefahr und rufen zum Widerstand gegen Rechts auf.

 

Für mich ist es daher höchste Zeit, den Mund aufzumachen und dem Rechtsruck entgegenzutreten, damit nicht nur meine Kinder, sondern auch deren Kinder, die Freiheit erfahren dürfen, die ich mein bisheriges Leben lang erleben durfte.

Ich möchte nicht, dass sie sich dem engen und eingrenzenden Weltbild der Rechten anpassen müssen. Eine Ideologie, die größtenteils rassistisch, antisemitisch und antimuslimisch, sexistisch, frauenfeindlich, schwulenfeindlich, behindertenfeindlich, schlicht menschenverachtend ist. Eine Denke, die alles verteufelt, was anders ist. Eine Gesinnung, die die Zeit zurückdrehen will und die die Gräuel der Nazis als „Vogelschiss“ verharmlost.

 

Lasst uns nicht mehr hinnehmen, dass die Grenzen des Sagbaren immer weiter nach rechts verschoben werden, mit „Ach komm, ist doch nicht so schlimm!“ abgetan werden. Wehren wir uns dagegen, dass menschenverachtende Kommentare bagatellisiert werden. Lasst uns darum kämpfen, dass die Wahrung der Menschenwürde nicht nur für einige gilt, sondern für alle. Lasst uns dagegen aufstehen, dass alle gleich sein sollen, aber einige gleicher als gleich - wie George Orwell es schon 1945 in seiner politischen Satire „Animal Farm“ beschrieb.

 

Ich möchte Euch bitten, laut zu werden und aufzustehen.

Oft erscheint es so, dass die Rechten in der Mehrzahl sind.

Aber dem ist nicht so.

Nur weil sie lauter und aggressiver brüllen als wir, machen sie noch lange nicht die Mehrheit aus. Nur weil sie alle Andersdenkenden beschimpfen und verunglimpfen, haben sie nicht Recht.

 

Wir dürfen nicht mehr schweigen.

Ich zumindest will das nicht mehr.

Ich will nicht, dass mir meine Enkel in ein paar Jahren die Fragen stellen, die sich meine Eltern von mir haben stellen lassen müssen. „Wo wart ihr?“, „Warum habt ihr nichts getan?“

Ich will jetzt ein Zeichen setzen und ihnen, den Rechtsextremen, sagen: Nicht mit mir!

 

Zeigen wir ihnen, dass die Mehrheit nicht ihrer Meinung ist und sorgen wir dafür, dass auch unsere Enkelkinder noch den Luxus einer freiheitlichen Demokratie erleben dürfen.

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