• Klaudia Frechen

Winter blau-weiß



Der Schnee knirscht bei jedem Schritt unter meinen Füßen, die ihre Spur in der weißen, weichen Wattedecke hinterlassen. Die ersten hier oben im jungfräulichen Schnee.

Der Klang von Kirchenglocken schwing sich zu mir den Berg hinauf und lässt die Winterwelt um mich herum noch feierlicher wirken.

Vor mir döst eine alte, verwitterte Bank in der Sonne und wartet auf Besucher.

Sie steht unter hohen Tannen, die schützend ihre hohen Zweige über sie halten, so dass sie nicht vom Schnee bedeckt ist.

Ich kann der Einladung nicht widerstehen, lasse mich dort nieder und lehne mich seufzend zurück. Staune.

Über mir thront ein eisiges Weiß-Blau.

Majestätisch spannt es seine klare, kalte Weite über das Land und über die Berge.

Es lässt keinen einzigen Makel, keine Wolke oder gar ein Grau zu.

Feiertagsgewand.

Dort vor mir spielt das Sonnenlicht mit dem Schnee und lässt ihn aufleuchten, glitzern und funkeln. Gefallene Sterne, Diamanten- denke ich und bin mir sicher sie kichern zu hören, wenn ein Sonnenstrahl sie kitzelnd berührt. Was kümmert sie die feiertägliche Stille?!

Hinter mir rauschen die dunklen Tannen mit ihren Schneemützen sacht und leise im sanften Wind, um sie nur ja nicht zu verlieren - und werden wieder still.

So wie ich, die ich hier in der Sonne sitze und ganz betrunken bin von all der blauen Freiheit um mich herum.

Mein Atem flieht, mutig wie er ist, der Klarheit dort oben schon längst entgegen, während mein Herz noch zu überwältigt ist von all der Weite und bleibt. Noch.

Ich atme die Stille und reine Kälte tief ein, lasse mich durchspülen, reinwaschen.

Immer wieder. Bald tosen sie wie ein wilder Bergbach durch mich hindurch, dringen in jede kleinste Ecke meines Seins und spülen alles Alltägliche und Schwere aus mir heraus, tragen es fort. Schnell fühle ich mich blank poliert und entdecke in mir eine ungeahnte Leichtigkeit. Blau-weiß. Staune mehr noch über diesen endlosen Himmel in mir als über den über mir thronenden.

Ich muss meine Arme ausbreiten, um all dem Blau Raum zu bieten. Spüre eine unbändige Freude in mir und strahle mit der Sonne um die Wette.

Und mein Herz, das bleibt.

Es steigt in seinen eigenen Himmel hinauf und dem unendlichen Weiß-Blau meiner Seele entgegen.

So weit, so klar, so frei.

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