• Klaudia Frechen

Blau auf Weiß

Aktualisiert: Jan 15





Liebster,

wann habe ich Dir das letzte Mal geschrieben?

Ich Anna.

Vor kurzem erst.

Wann hast Du mich das letzte Mal angesprochen?

Wann mir geantwortet?

Vor Ewigkeiten.


Ich sehne mich danach, von Dir ein wenig, ab und an, von Zeit zu Zeit … verbal verwöhnt zu werden. Die Sehnsucht nach Deinen sanft flüsternden Worten ist überwältigend, Anam Cara – Seelenfreund.

Mir fehlen Deine liebevoll aufs Papier gemalten Worte, die niemals eilig hingeworfen waren. Immer mit Bedacht gewählt. Sorgsam dazu erkoren, Deine Gedanken schwungvoll und in Blau in Szene zu setzen. Nicht auf hellem Weiß. Nein, das wäre zu hart gewesen. Aber auf zartem Off-White. So fein.


Natürlich würde ich Dich nur zu gerne auch mit meinen Worten berühren. Tief im Herzen flüsternd Deine Seele streifen.

Aber ich fürchte, Du sprichst meine Sprache nicht mehr oder Deine Augen sind blind geworden für meine Worte.


Trotz allem hoffe ich immer noch, nach all der Zeit, dass Dir unsere anfängliche, zumindest für mein Gefühl, sehr leidenschaftliche Konversation auch fehlt. Das Kribbeln im Bauch, das so manche Zeile verursachte…

Uns wuchsen Flügel und gemeinsam durchstreiften wir jauchzend und manchmal auch atemlos den Himmel der Lust und Leidenschaft.

Heute kreise ich alleine und unendlich einsam, ja verloren, in diesem Himmel, in der Hoffnung dort doch noch einmal auf Dich zu treffen.

Meist erfolglos.


Nein, ich möchte dort nicht auf irgendwen treffen. Du müsstest es schon sein.

Ich bilde mir ein, nur Deine Buchstaben, so akkurat auf Papier, vermögen mich schweben zu lassen.


Was stutzt Dir Deine Flügel?

Der Alltag?

Der war doch früher auch da und hielt Dich nicht davon ab, mich das Fliegen zu lehren. Mich zu lehren auf das Singen meiner Seele zu hören und dann gemeinsam mit Deiner ein Duett anzustimmen.

Oder bist Du der Meinung, dass ich nun Deiner Anwesenheit nicht mehr bedarf, da ich kein Flugschüler mehr bin?

Berühre ich Deine Phantasie nicht mehr? Bin ich zu selbstverständlich geworden?

Fragen. So oft gestellt. Nie beantwortet.


Ich kann verstehen, dass Dein Alltag den Magier in Dir vertreibt.

Aber ab und an könntest Du dir und mir doch ein Stück von unserem Himmel gönnen. Eine Auszeit von all dem Stress und der Hektik.

Ich kann mich daran erinnern, dass es Dir mal gut getan hat… das Kribbeln.


Es ist immer dasselbe?

Nein, mein Lieber! Das ist es nicht.

Mein Himmel kann jeden Tag, jede Stunde anders aussehen, wenn ich will.

Ich kann dort alles sein, was ich nur will.

Dort bin ich einmal Anna, dann Hure oder Femme fatal, Träumerin und Tänzerin. Manchmal auch graue Maus. Oder alles gleichzeitig.

Erinnerst Du Dich an die Tigerin?

Sie wartet schon lange darauf wieder einmal von Dir begrüßt zu werden.


Es wäre schön, wenn Du mich besuchen würdest. Es ist einsam ohne Dich... auch mit all dem Neuen, dort oben.


Grenzen setzt Du dir nur selber.


Ich bin nicht nur Alltag.

Ich bin Anna. Weiblicher denn je.

Und diese Weiblichkeit will angesprochen werden. Will nicht vergessen sein.


Ist sie nicht?

Zeig´s mir, mein Liebster!


Anna

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